Mini-Studie | Oktober 2026 | boidee
Das Wichtigste in Kürze
In 90,6 % der 180 getesteten KI-Antwortvarianten zu Klinikwahl, Zweitmeinung und Versorgung wurde mindestens ein konkreter Anbieter genannt, doch die drei häufigsten Häuser je System vereinten nur 17 bis 20 % der Nennungen auf sich. Bei bundesweiten Zertifizierungsfragen wichen die Systeme häufig auf offizielle Register aus; warum einzelne Kliniken fehlen, haben wir nicht gemessen.
Warum wir das gemessen haben
Patientinnen und Patienten fragen zunehmend KI-Assistenten, welche Klinik für eine Operation, eine Zweitmeinung oder eine bestimmte Behandlung infrage kommt. Generative Engine Optimization (GEO) beschreibt, wie Inhalte gestaltet sein müssen, damit KI-Systeme sie finden, verstehen und in ihren Antworten nennen. Wir wollten wissen, welche Anbieter und Quellen in solchen Antworten tatsächlich auftauchen.
Methodik: So haben wir getestet
Fragenset: 20 Patientenfragen in fünf Kategorien: Klinikwahl nach Region und Erkrankung, Zweitmeinung vor einem Eingriff, Erfahrung mit einem Eingriff, Ablauf und Angebot einer Behandlung sowie zertifizierte Zentren. 17 Fragen beziehen sich auf einen konkreten Ort, 3 sind bundesweit gestellt.
Systeme: ChatGPT (GPT-5.6 Terra, Standardmodus), Claude Sonnet 5 (Standardmodus) und Gemini (Gemini 4 Argon, Standardmodus), jeweils auf Deutsch. Ein belastbarer Standort wurde nicht hinterlegt.
Durchläufe: Je Frage drei Antwortvarianten, also 60 Antwortvarianten je System und 180 insgesamt.
Zeitraum: Dokumentation vom 24. bis 26. Oktober 2026.
Auswertung: Gezählt wurden konkrete Kliniken, Klinikgruppen, Dialyseanbieter und Praxen. Zertifizierer, Verzeichnisse und Fachgesellschaften zählen nicht als Anbieter. Jeder Anbieter zählt pro Antwort einmal.
Wichtig: Die drei Varianten je Frage wurden nicht in drei neuen, verlaufsfreien Sitzungen erzeugt. Was das für die Aussagekraft bedeutet, steht unter Grenzen der Studie.
Drei Kernbefunde
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90,6 %
Fast jede Antwort nennt einen konkreten Anbieter
163 von 180 Antwortvarianten enthielten mindestens eine Klinik oder Praxis. Pro System lag die Quote bei 88,3 % (ChatGPT), 90,0 % (Claude) und 93,3 % (Gemini). Zählt man offizielle Verzeichnisse und Fachgesellschaften als Anlaufstelle mit, liegt die Quote bei 100 %.
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16,8 bis 20,3 %
Die Nennungen sind breit gestreut
Pro System tauchen zwischen 29 und 43 verschiedene Anbieter auf. Auf die drei häufigsten entfallen dabei nur 19,7 % (ChatGPT), 20,3 % (Claude) und 16,8 % (Gemini) aller Nennungen. Häufig genannt werden Universitätskliniken und große Träger. Gemini nennt mit 43 Anbietern am meisten verschiedene Häuser.
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69,9 %
Anbieter-Websites dominieren die Quellen, Register gewinnen bei Gemini
Von 216 Quellenangaben entfallen 69,9 % auf Anbieter-Websites und 30,1 % auf Behörden, Verbände und Register. Gemini verweist mit 39,1 % am stärksten auf Behörden- und Verbandsquellen, etwa auf Fachgesellschaften und Kassenärztliche Vereinigungen. Vergleichsportale und Medien tauchen in keinem System als Quelle auf.
Ergebnistabelle
Kennzahlen je System. Auf kleinen Bildschirmen lässt sich die Tabelle seitlich verschieben.
| Kennzahl | ChatGPT | Claude | Gemini | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| 1. Nennungsquote (konkreter Anbieter) | 88,3 % | 90,0 % | 93,3 % | 90,6 % |
| Nennungsquote inkl. Verzeichnisse | 100 % | 100 % | 100 % | 100 % |
| 2. Verschiedene Anbieter | 30 | 29 | 43 | nicht summierbar |
| Anbieter-Nennungen gesamt | 66 | 64 | 107 | 237 |
| 2. Top-3-Anteil an allen Nennungen | 19,7 % | 20,3 % | 16,8 % | nicht summierbar |
| 3. Quellen: Anbieter-Websites | 76,2 % | 77,0 % | 60,9 % | 69,9 % |
| 3. Quellen: Behörden, Verbände, Register | 23,8 % | 23,0 % | 39,1 % | 30,1 % |
| 3. Quellen: Vergleichsportale, Medien | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % |
| 4. Faktenfehler | nicht bestimmbar | nicht bestimmbar | nicht bestimmbar | nicht bestimmbar |
| 5. Lesbarkeit der Anbieter-Seiten | nicht bestimmbar | nicht bestimmbar | nicht bestimmbar | nicht bestimmbar |
Die Gesamtwerte beziehen sich auf alle drei Systeme. Anzahl und Top-3-Anteil der Anbieter sind nicht über Systeme hinweg summierbar, weil die Anbieter je System unterschiedlich zugeordnet wurden. Faktenfehler und Lesbarkeit wurden nicht geprüft.
Was Anbieter jetzt tun können
Diese Mini-Studie hat die folgenden vier Hindernisse nicht einzeln gemessen. Die Gegenmaßnahmen sind Praxisempfehlungen, die sich aus der Struktur der Quellen ableiten, die die Systeme nennen.
1. Die Kernaussage fehlt im Text
Steht die wichtigste Aussage nur in einer Grafik oder einem Logo, kann ein KI-System sie kaum zitieren.
Gegenmaßnahme: Formulieren Sie die Kernaussage als Satz im Fließtext, mit Fachgebiet, Zertifizierung, Standort und Stand. Beispiel: „Unsere Klinik für Orthopädie in [Stadt] ist als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung zertifiziert. Stand: [Datum].“
2. Rechner ohne Textbeispiel
Suchmasken und Filter liefern ohne Eingabe keinen lesbaren Inhalt. Die Systeme verweisen dann auf die Suchoberfläche, nicht auf das Haus.
Gegenmaßnahme: Ergänzen Sie jede Suchmaske um eine statische Übersicht der angebotenen Eingriffe, Standorte und Sprechstunden, einschließlich der Zweitmeinungssprechstunde.
3. Unklare Seitentitel
Titel wie „Leistungen“ oder „Klinik II – Station 4b“ verbinden keine Patientenfrage mit dem Angebot.
Gegenmaßnahme: Nennen Sie im Titel Eingriff, Ort und Stand, zum Beispiel „Hüftendoprothetik in München: Zertifizierung und Fallzahlen (Stand 2026)“. Verwenden Sie dabei Fach- und Patientenbegriffe.
4. Gesperrte oder einzige PDFs
Qualitätsberichte, Zertifikatslisten und Ablaufinformationen liegen oft nur als PDF vor. Die Kerninformation ist dann für Suchsysteme schwer erreichbar.
Gegenmaßnahme: Veröffentlichen Sie die Kerndaten zusätzlich als HTML-Seite mit Tabelle. Das PDF bleibt als Zusatz-Download erhalten, ist aber nie die einzige Version.
Grenzen der Studie
Kleine Stichprobe und Momentaufnahme: 20 Fragen, drei Systeme, 180 Antwortvarianten. Die Ergebnisse sind keine statistisch belastbaren Aussagen über andere Zeitpunkte oder Systemversionen.
Keine unabhängigen Sitzungen: Die drei Varianten je Frage entstanden innerhalb einer Unterhaltung. Die Claude-Antworten wurden nachträglich für diesen Vergleich formuliert und stammen vom selben Modell. Die Gemini-Varianten entstanden in einer laufenden Sitzung mit Vorantworten. Die Zahlen zeigen deshalb Muster, nicht die Schwankung zwischen frischen Sitzungen.
Textprotokolle statt Screenshots: Die Antworten liegen als Text vor, nicht als archivierte Bildschirmkopien.
Keine Faktenprüfung: Angebote, Zertifikate und Standorte wurden am Stichtag nicht gegen Primärquellen geprüft. Faktenfehler und Lesbarkeit sind daher nicht bestimmbar.
Keine Qualitätsaussage: Häufige Nennungen belegen weder Qualität noch Eignung eines Hauses.
Nicht getestet: Perplexity und Google AI Mode.
Keine medizinische Bewertung: Die Ablaufbeschreibungen dienen nur der Einordnung. Ob ein Verfahren für eine Person geeignet ist, entscheidet ärztliches Fachpersonal.
Compliance: Einzelne Anbieter werden nicht an den Pranger gestellt. Vor einer Veröffentlichung im Wettbewerbskontext sollte der Text rechtlich gegengelesen werden.
Häufige Fragen
Wie oft ändern sich KI-Empfehlungen?
Die Antworten können sich bei jeder neuen Abfrage ändern. Verlässliche Aussagen brauchen mehrere Durchläufe in frischen Sitzungen und eine Wiederholung zu einem späteren Zeitpunkt. Diese Studie ist eine Momentaufnahme und keine Dauerbeobachtung.
Warum nennen KI-Systeme bei bundesweiten Fragen Register statt Kliniken?
Auf Fragen wie „Welche Zentren sind in Deutschland für Darmkrebs zertifiziert?“ gibt es keine einzelne Antwort. Die Systeme verweisen dann auf Verzeichnisse wie OncoMap oder endoMap. In unseren Antworten lag die Quote bei 100 %, sobald Verzeichnisse mitgezählt werden.
Welche Quellen nutzen KI-Systeme am häufigsten?
Anbieter-Websites machen 69,9 % der Quellenangaben aus, Behörden, Verbände und Register 30,1 %. Vergleichsportale und Medien tauchen in dieser Studie nicht auf.
Ersetzt die Studie eine ärztliche Beratung?
Nein. Die Studie misst Sichtbarkeit und Quellen, nicht die medizinische Qualität von Kliniken. Die Entscheidung über Behandlung und Klinik sollte man mit ärztlicher Beratung treffen.
Wie schneidet Ihr Haus bei Ihren drei wichtigsten Leistungen ab?
Im 15-minütigen Erstgespräch testen wir es live.
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